Vision

Warum Mobeka?

"Mobeka"

Die Bedeutung des Begriffs

In kiLokele, der Sprache der lokalen Fischer und Flusshändler um Kisangani, bedeutet "Mobeka" eine linienförmige Verwirbelung auf dem Wasser, die die Grenze zwischen dem tiefen, schiffbaren Teil des Flusses und gefährlichen Untiefen mit Felsen und Sandbänken markiert. Der Begriff deutet auf das Ausmachen und sich leiten lassen von den Grenzen des Möglichen.


Hintergrund

Die Mobeka-Initiative entstand aus den ethnografischen Forschungen des Anthropologen Peter Lambertz über die Beförderungspraktiken auf den Binnenwasserstraßen der Demokratischen Republik Kongo und insbesondere über die "Baleinières", die Flussschiffe. Die Baleinières sind berüchtigt für ihre häufigen Unfälle, die zu schweren Verlusten an Menschenleben und wirtschaftlichen Ressourcen führen. Weniger bekannt ist jedoch die enorme Rolle, die sie für die Ernährungssicherheit des Landes spielen, insbesondere für die am Fluss gelegenen Städte, darunter die Hauptstadt Kinshasa. Ebenso wenig bekannt ist, dass die Baleinières ein bemerkenswerter Fall von endogener Entwicklung sind: Sie stützen sich nicht nur auf eine große Zahl kleiner Akteure und beziehen diese mit ein. Sie gestalten auch das Transportnetz der wasserbasierten Mobilität im Kongobecken für Millionen von lokalen Händlern und Reisenden grundlegend um. In seiner Untersuchung versucht Lambertz, die soziotechnischen, infrastrukturellen und auch staatlichen Verwicklungen rund um diese kongolesische Errungenschaft nachzuzeichnen und zu entschlüsseln, nicht ohne auf das Sicherheitsproblem hinzuweisen. Die Untersuchung zeigt, dass man von lokalen Praktiken viel lernen kann und dass in Zeiten immer größerer Not durch Bevölkerungswachstum und galoppierende Urbanisierung eine wohldosierte intervenierende Beteiligung als Akteur im Forschungsfeld eine überzeugende Forschungsmethode sein kann.

AKTIONSFORSCHUNG

AUFWERTUNG LOKALER LÖSUNGEN: Ethnografische Untersuchungen zu den lokalen Transportrealitäten in der Region um Kisangani / Provinz Tshopo (DR Kongo) haben uns zu der Erkenntnis geführt, dass Transportlösungen, die auf dem Straßenparadigma beruhen (wenige Lkw-Besitzer, überladene Lkw, teure und schwer zu wartende Straßen), im kongolesischen Regenwald nicht länger die einzige Lösung sein können. Die einheimische Bevölkerung hat dies schon lange verstanden und alternative Lösungen entwickelt, die sich der Wasserwege und Mobilitätsformen kleineren Massstabs bedienen (Kanus, Motorräder, Fahrräder, alte Trägerkultur), bzw. der seit langem bestehenden Gewohnheit der kinetischen Solidarität: Ältere lokale Fertigkeiten und Kenntnisse wie Kanufahren, Fischen und Tragetechniken verbinden sich mit neueren Mikromobilitäten aus Asien (Fahrräder, Motorräder, kleine chinesische Dieselmotoren, die hölzerne Flussboote antreiben). So ist ein alternatives Verkehrssystem entstanden, das wirtschaftlich integrativer und erschwinglicher, ökologisch nachhaltiger und damit langfristig effizienter ist als Lösungen, die auf Straßen für LKWs basieren. Wir sind der Meinung, dass die Untersuchung und das Verständnis dieser lokalen Entwicklungen von entscheidender Bedeutung für den Erfolg von Investitionen und politischen Maßnahmen sind.

AUFWERTUNG DER FORSCHUNG: Die raschen und tiefgreifenden Veränderungen, die viele Gesellschaften in Afrika und darüber hinaus durchlaufen erfordern eine intensive kritische Begleitung durch Sozialwissenschaftler und ihre Kollegen aus den Human- und angewandten Wissenschaften. In der DR Kongo sind jedoch lortliche Universitäten geben der Lehre oft den Vorrang vor der Forschungspraxis. Mobeka ist bestrebt, die lokale Gestaltung, die pragmatische Ausrichtung und vor allem die lokale Finanzierung lokaler Forschungsprojekte und ihrer Ergebnisse aufzuwerten und so zur Entkolonialisierung überkommener epistemischer Abhängigkeiten zugunsten lokaler Lösungen beizutragen.

AKTIONSFORSCHUNG ist unseres Erachtens ein hilfreiches Mittel, um diese Ziele zu erreichen, denn es zwingt den Forscher, sich aktiv in das von ihm untersuchte Gebiet einzubringen und daran teilzunehmen, während er gleichzeitig die für die Forschung erforderlichen Mittel aufbringt. Mit dem Passagierschlepper "MB Mobeka" möchte Mobeka ein konkretes Beispiel für eine solche Aktionsforschung bieten.

"NACHHALTIGE MOBILITÄT"

beruht unserer Ansicht nach auf der Einbeziehung eines Höchstmaßes an lokalen Wirtschaftsteilnehmern, die Finanzmittel, Wissen und Fertigkeiten erzeugen und reinvestieren - anstatt sie zu exportieren (Geldflucht, Abwanderung von Fachkräften, ...) : zahlreiche kleine Verkehrsakteure anstelle einiger weniger großer und oft ausländischer Lkw- oder Schiffseigner. Dazu gehört aber auch das dauerhafte und gelungene Zusammenwirken von Menschen mit nicht-menschlichen Akteuren wie Tieren, Pflanzen und dem Ökosystem im weiteren Sinne: Mobeka zielt darauf ab, Infrastrukturen und zuverlässige Technologien sowie politische Organisationsformen zu entdecken, bzw. zu entwickeln und in die Praxis umzusetzen, die die lokalen Akteure dazu ermutigen, ihren eigenen Gewinn zu maximieren, und zwar gemeinsam mit und nicht gegen die Umwelt und ihre Kräfte.


 ZUKÜNFTIGE MASSNAHMEN

DIE "MB MOBEKA" ERWEITERN durch die Kombination von Eisen und Holz als Baumaterialien, wodurch die Flussschifffahrt fahrgastfreundlicher, sicherer, wirtschaftlicher und ökologischer wird. Förderung der öffentlichen Debatte und des Dialogs zwischen den wichtigsten Akteuren (staatliche Vertreter, Bootsbauer, Besatzungsmitglieder, Bootsbesitzer, lokale Händler usw.) durch Workshops, Medienbeiträge, Studienreisen, Forschungsarbeiten und Veröffentlichungen.  

Grüne Überquerung des Kongo-Flusses: Inspiriert von den historischen "Rheinfähren" in Basel nutzen kleine Passagierschiffe die Strömung des Kongo-Flusses, um Passagiere in Kisangani ohne Treibstoffkosten von Makiso (rechtsseitig) nach Lubunga (linksseitig) zu übersetzen. Dies bedeutet eine geringere Abhängigkeit von Treibstoff, niedrigere Kosten für die Überquerung des Flusses, sicherere Reisebedingungen und ermöglicht eine Integration in das bestehende Überquerungssystem und dessen Verwaltung durch die jetzigen Akteure. Die Initiative basiert auf einer ethnografischen Untersuchung der derzeitigen Lösung mit bwátu (Kanus) mit Außenbordmotoren und den Vorteilen und Herausforderungen des derzeitigen Systems.

RADWEGE IM WALD: Jüngste ethnografische Forschungen über die realen Mobilitätspraktiken vor Ort sprechen für den Bau von Radwegen im Wald, wobei infrastrukturelle Innovationen mit der Förderung von kleinen Verkehrsunternehmen kombiniert werden. Dies fördert ein ökonomisch, ökologisch, technologisch und auch sozial nachhaltiges Verkehrssystem, das an die lokalen Bedürfnisse, Ressourcen und Anliegen anknüpft.

BAU EINES GRÜNEN "FORSCHUNGSZENTRUMS FÜR DEN FLUSS MOBEKA": Bau eines klimasensiblen Gebäudes mit so wenig Zement wie möglich, unter Nutzung des Überflusses an ökologischen und billigen Baumaterialien, was implizit die kulturelle und wirtschaftliche Dominanz von Zement, der von weit her nach Kisangani geliefert wird, in Frage stellt.